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Lernen mit mehr Spaß als in der Schule
Fellbacher Zeitung vom 17.07.2006

80 besonders begabte Kinder treffen sich am Friedrich-Schiller-Gymnasium zu einer Wochenendakademie

Fellbach. „Wir wollen hoch motivierte Kinder künftig regelmäßig und ganzheitlich fördern“, sagt die Projektleiterin Ingvelde Scholz. Am Freitag und Samstag fand am Friedrich-Schiller-Gymnasium die erste Wochenendakademie für besonders begabte Kinder statt.


VON BRIGITTE HESS

Der Chemiekurs macht gerade Pause – mit selbst gemachter Cola. Die schmeckt nicht unbedingt jedem, aber gelernt haben die Kinder dabei jede Menge. Schließlich haben die Viert- bis Sechstklässler in ihren Schulen noch gar keinen Chemieunterricht. „Chemische Prozesse finden überall statt“, hat ihnen Natascha Aristov erklärt. Dann überlegen die Kinder, wie wohl der Kohlenstoff in die Atemluft kommt. Die Grundschülerin Franziska, zehn Jahre alt, liegt mit ihren Überlegungen zwar etwas daneben, hat aber gut nachgedacht. Sie erhält deshalb trotzdem ein Lob: „Das ist eine sehr gute Theorie“, sagt die promovierte Chemikerin, die an der Pädagogischen Hochschule (PH) Ludwigsburg lehrt, zu der kleinen Forscherin.

„Hoch begabte Kinder trauen sich oft nicht, ihre komplexen Fragen zu stellen, weil sie dann von den anderen gehänselt werden“, sagt Ingvelde Scholz, die am FSG unterrichtet und am Stuttgarter Seminar für Didaktik und Lehrerbildung Leiterin der Projektgruppe Begabtenförderung ist. Die Wochenendakademie am FSG soll künftig regelmäßig alle zwei Monate stattfinden und von wechselnden Fachleuten gestaltet werden. „Diese Experten sind geschult im Umgang mit hoch begabten Kindern, die in ihren Schulklassen oft durch Störverhalten und Clownerie oder – vor allem Mädchen – durch übermäßige Anpassung oder Sichzurückziehen auffallen“, so Ingvelde Scholz.

„Hier macht es viel mehr Spaß als in der Schule, weil wir so viel rumexperimentieren“, sagt Annika. „Und weil der Lehrer nicht alles tausendmal erklärt, bis es auch der Letzte kapiert hat“, fügt Korbinian an. In den kleinen Gruppen von elf bis 15 Kindern fühlen sich die Schüler, die aus Grundschulen und Gymnasien aus Fellbach und Umgebung kommen, unter ihresgleichen.

Georg Zemanek hat das mathematische Spiel „Kugulogo“ entwickelt, mit dem die Kinder geometrische Figuren bauen. Der Mathematiker, der an der FH Aalen lehrt, arbeitet mit Würfeln, die aber gleich als völlig untypisch entlarvt werden: „Da sind ja bis zu neun Augen drauf“, entdeckt ein Mädchen. „Dafür fehlen manche Zahlenwerte“, sagt eine andere. Mit den Zahlenwerten aus dem Würfel als Grundlage bauen die Schüler ihre geometrischen Objekte.

Die Japanologin und Museumspädagogin am Stuttgarter Lindenmuseum Ursula Hüge hat eine japanische Zeitung an die Tafel gehängt und erklärt die fremden Schriftzeichen, die die Kinder mit Tusche nachmalen.

„Ich habe in meiner Klasse schon mal einen Vortrag über die Mongolei gehalten, und mehr über Japan zu erfahren hat mich sofort interessiert“, sagt Ailika, die die Rommelshausener Haldenschule besucht.
Weitere Gruppen beschäftigen sich mit Astronomie – Dustin will schließlich mal Weltraumforscher werden – oder lernen beim Falten von Papierfliegern gleichzeitig etwas über griechische Sagen, den Schneider von Ulm und die Bionik. „Hochbegabte haben oft Probleme mit der Motorik, und Papierfalten bringt da schnelle Erfolge“, sagt der Designer Jost Schmidt.

Die Kunstpädagogin Anne Kaminske hat ihre Diplomarbeit über „Kunsttherapie mit Hochbegabten“ geschrieben und sagt über ihre Erfahrungen: „Diese Kinder sind kognitiv unheimlich weit vorne und kommen da oft körperlich und emotional nicht nach oder haben soziale Probleme in der Klasse. Kreatives Tun unterstützt ihre Persönlichkeitsentwicklung.“